Locker schreiben: Herz ist Trumpf!

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Foto von Jiroe auf Unsplash

Du formulierst Deinen Artikel locker-flockig, ganz ungekünstelt und leicht. Deine Leser können fühlen, dass Du sie mit ihren Fragen, Sorgen und Wünschen verstehst und ernst nimmst. Locker schreiben ist Dein zweiter Vorname. Einen Satz nach dem anderen tippst Du lässig dahin, bis sich das große Ganze von selbst ergibt und … dein Wecker klingelt.

„Eine lockere Schreibe haben, locker schreiben“, „nicht so trocken klingen“, „mehr mit dem Herz schreiben als mit dem Kopf“ – kommen Dir diese Wünsche bekannt vor? Mir selbst auf jeden Fall, ich erhoffe mir das für meine eigenen Texte und vermisse es bei vielen anderen, die ich lese. Trotzdem klappt es nicht immer. Warum das so ist und was Du dagegen tun kannst? Lass’ mal sehen!

Von Wortmonstern und Schlangensätzen – was lockeres Schreiben verhindert 

Abgesehen von der schnellen Nachricht im Messenger schreibst Du Texte vermutlich häufig im beruflichen Umfeld. E-Mails an Kollegen oder Kunden, Blogartikel, Briefe. Da kommt es darauf an, professionell rüberzukommen. Die Situation ist nicht immer ungezwungen und einer der Killer für lockere Texte. Hier geht’s um was, Du darfst Dich nicht blamieren und schreibst darum nicht frei von der Leber.

Gerne soll ein Text unterstreichen, dass Du Ahnung von einem Thema hast. Wie Du das beweisen kannst? Klar, durch eine Menge an Fachbegriffen, die nur Experten flüssig von den Lippen kommen. Leider erreichst Du damit genau das: Nur Experten verstehen das Ergebnis. Locker schreiben willst Du aber vermutlich eher, weil Du nicht ausschließlich Profis ansprichst, oder? Jemand, der sich noch nicht so gut in der Materie auskennt, muss all die schönen Fremdwörter erst mal nachschlagen – oder aber aufgeben. Der beste Freund des Fachbegriffs ist das Monsterwort, gerne als Substantivierung auf die Welt gekommen. „Ich leite einen Fachbereich“ ist nett. „Ich habe die Fachbereitsleitung inne“ dagegen ist gleich viel eindrucksvoller, oder? Nur bleibt Dein Leser an solchen Monsterworten gerne mal hängen, kommt ins Stocken und muss sie mehrfach lesen.

Der nächste Feind von Texten, die Spaß machen, ist der Schlangensatz. Wie eine Boa windet er sich Zeile um Zeile dahin, manchmal über ganze Absätze hinweg. Natürlich, wer so komplizierte Sätze bauen kann, der wird wohl ein echter Meister seines Fachs sein. Der einfache Leser ist’s zumindest nicht, denn der steigt spätestens nach dem dritten Einschub aus und muss den Satz von vorne beginnen. Damit beweist Du zwar, was Du in Sachen Kommasetzung (hoffentlich) drauf hast. Ein begeistertes Publikum gewinnst Du so allerdings eher nicht. Wie das klappen kann, zeige ich Dir jetzt.

Mein Text ist zu kompliziert!

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Wer zwingt Dich denn, einen komplizierten Text zu schreiben? Musst Du beweisen, dass Du Ahnung vom Thema hast? Das schaffst Du auch, indem Du Deinen Leser von einem Problem zu einer Lösung führst und dabei den einfachsten Weg nimmst. Dann ist die Lösung gerade nicht, die Person mit Fachbegriffen zu erschlagen. Wenn Du Zeichnen lernen willst, fängst Du schließlich auch nicht direkt mit einer Kopie der Mona Lisa an. Dein Lehrer wird Dir erst mal zeigen, wie Du Pinsel oder Stift richtig hältst, damit Dir die Finger nicht abfallen. Dass er außerdem ein Meister im perspektivischen Zeichnen ist, ist an diesem Punkt völlig egal. Das Gleiche gilt für Deine Texte. Gehe tendenziell davon aus, dass Dein Leser weniger vom Thema weiß als Du. Erkläre lieber zu viel als zu wenig, dazu gehören auch Fachbegriffe.

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Wo geht’s denn hier zum Ziel? Foto von beasty auf Unsplash

Mir hilft es bei Fachtexten zum Beispiel oft, wenn ich mir vorstelle, ich würde den Text für meine Oma schreiben. Oder für eine andere Person, die ich mir direkt vorstellen kann und die wenig bis keine Ahnung von meinem aktuellen Thema hat. Verstehe mich nicht falsch, meine Oma wusste unfassbar viel. Trotzdem fällt es mir leichter, so zu schreiben, als würde ich den Text für sie verfassen. Sie soll die notwendigen Informationen bekommen, aber so, dass sie nicht davon erschlagen wird. Wenn Du lieber für Deinen Nachbarn, eine Figur aus einem Film oder Dein Kind schreibst: Alles kein Problem, Du kannst frei wählen.

Mein Text ist zu gestelzt!

Du wünschst Dir, Du könntest so schreiben, wie Du redest? Na, dann rede doch einfach! Erzähle Dir selbst, was Dein Thema ist, was Du erklären möchtest, welche Beispiele Du bringen willst. Im stillen Kämmerlein, im Wald, wo auch immer Du Dich wohl fühlst. Die meisten Handys haben einen Rekorder eingebaut, mit dem Du Dich aufnehmen kannst. Niemand muss das Ergebnis hören, es ist nur für Dich bestimmt. Ziehe Dir einfach die Sätze raus, die Dir gefallen, und übernimm sie. 

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Kann man machen, muss man nicht.

Dein Text ist bereits fertig, aber zu gestelzt? Dann lies ihn Dir vor. Oft fallen Dir dabei schon Schlangensätze und Wortmonster auf. Oder lies ihn vor, nimm Dich dabei auf und höre Dir die Aufnahme am nächsten Tag an. Du wirst überrascht sein, wie fremd sich der Text auf einmal anfühlt! Notiere Dir alles, was sich seltsam anhört und arbeite anschließend gezielt an diesen Stellen.

Meinen Texten fehlt das Gefühl! 

Oft „verkopfen“ wir beim Schreiben zu sehr – im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der Suche nach schönen Sätzen, polierten Redewendungen und vielleicht sogar einem Spannungsbogen geht das Herz schnell flöten. Am Ende stehen zwar alle Infos auf dem Bildschirm, die Du dort haben möchtest. Der Kitt, das Gefühl, fehlt jedoch. 

Dabei kannst Du jedes Thema irgendwie fühlen, mit mindestens einem Deiner Sinne. Es hilft, Dir das genau vorzustellen. Angenommen, Du schreibst über Mehltypenzahlen. Erst einmal erklärst Du, was das überhaupt ist. Da gibt es aber noch mehr. Wie sehen unterschiedliche Mehlsorten aus? Kannst Du beschreiben, wie sie riechen? Wie fühlen sie sich an, wenn das Mehl durch die Finger rieselt oder Du (warum auch immer) einen Esslöffel davon im Mund hast? Nicht alle dieser Fragen werden sich sinnvoll beantworten lassen. Trotzdem helfen sie Dir, Bilder Deines Themas in Deinem Kopf entstehen zu lassen. Genau diese Bilder kannst Du dann in Deinen Text einfließen lassen, damit sie die trockenen Fakten auflockern.

Locker schreiben: Fragen kostet nichts!

Wenn Du einen Text schreibst, Dir aber nicht sicher bist, ob er zu steif wirkt, dann hole Dir Feedback. Vielleicht von Kollegen, die ebenfalls texten, oder direkt von Deiner Zielgruppe. Locker schreiben kann für Dich etwas ganz anderes bedeuten als für die Personen, an die Du Dich richtest. Du verfasst einen Artikel für Lauftrainer? Die wenigsten werden beißen, wenn Du sie um ihre ehrliche Meinung zu Deinem Werk bittest. Das dürfte für so ziemlich alle Zielgruppen gelten. Nimm sie von Anfang an mit ins Boot. Für sie schreibst Du schließlich. Da macht Feedback doch schon im Vorfeld Sinn und nicht erst, wenn Dein Text schon veröffentlicht wurde. 

Hast Du noch andere Tricks auf Lager? Dann freue ich mich, wenn Du sie mit mir teilst! Und denk’ daran: Herz ist Trumpf!

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