Sachen gebacken bekommen – so findest Du Deinen Fokus um konzentriert zu arbeiten

fokussiert arbeiten
Foto von Mark Arron Smith auf Pexels

Dies ist Teil vier einer kleinen Reihe zum Zeitmanagement. Hier geht es zu Teil eins (Zeitmanagement allgemein), zu Teil zwei (Prioritäten setzen) und zu Teil drei (Prokrastination besiegen).

Endlich ist es soweit: Du hast Deine Aufgaben nach Wichtigkeit geordnet und fein säuberlich eine To-do-Liste erstellt. Du bist wild entschlossen, willst fokussiert arbeiten, bist zu 110% auf Erfolg gepolt. Gerade setzt Du dazu an, Punkt eins der Liste zu bearbeiten – da klingelt das Telefon. Der Kollege klopft an. Im Home-Office läutet der Paketbote. Zack, schon war’s das mit der Produktivität. 

Mitunter ist es nicht die Aufgabe, auf die Du keine Lust hast, die uns scheitern lässt. Oder zu viele Tasks, die auf Erledigung warten. Hin und wieder fehlt uns einfach die Möglichkeit, dass wir uns wirklich auf eine Sache konzentrieren können. Zum Glück gilt auch hier: Problem erkannt, Problem gebannt. Mit ein paar kleinen Tricks und Kniffen bringst Du mehr Fokus in Deinen Arbeitstag.

Warum kann ich mich nicht konzentrieren?

Die wenigsten von uns arbeiten oder lernen auf einer einsamen Insel. Wesentlich häufiger wirst Du Dich in einem Büro, Coworking-Space beziehungsweise dem heimischen Arbeitszimmer wiederfinden. Deine Arbeitsumgebung, aber auch die neuen Medien, haben entscheidenden Einfluss darauf, wie leicht (oder schwer) Du Dich auf eine Tätigkeit fokussieren kannst. Es kommt zudem auf Deine eigene Persönlichkeit an. Ich kenne Menschen, die im größten Lärm und Gedränge wie Zenmaster vor sich hin werkeln, während andere (ja, ich ebenso) am besten in einer hermetisch abgeriegelten Höhle ohne äußere Einflüsse arbeiten. 

Ablenkungen

Wo Menschen zusammen beschäftigt sind, interagieren sie auch zwangsläufig. Der Kollege kommt herein, der Abteilungsleiter ruft an, der Chef schickt eine E-Mail. Du musst zu einem Meeting und die Verabredung zum Mittagessen steht auch schon bald an. Gleichzeitig prasseln an allen Ecken und Enden Nachrichten auf Dich ein: Chats, E-Mails, SMS, Videoanrufe und eine Flut an Social Media Meldungen wollen Deine Aufmerksamkeit für sich haben. Eigentlich ein Wunder, dass Du Dich überhaupt noch konzentrieren kannst!

FOMO

FOMO, kurz für „Fear of Missing out“, beschreibt die Angst, etwas zu verpassen. Warum checken eigentlich so viele Menschen ständig Facebook, Instagram, Pinterest und Co? Weil sie auf dem Laufenden bleiben wollen, stets wissen möchten, was ihr Umfeld so tut. Da ist die Studienkollegin doch tatsächlich schon wieder in Urlaub, scheint ja gut zu laufen mit ihrem Job. Der Kumpel aus dem Sportverein ist wieder Single. Die ehemalige Nachbarin hat jetzt eine neue Katze. Genauer betrachtet haben die wenigsten dieser Nachrichten wirklich einen hohen Stellenwert. Trotzdem geraten wir leicht in einen Zwang, immer aktuell und bestens informiert zu sein. Daher nehmen wir oft viel zu gerne bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Handy, um doch noch einmal den neuesten Status von Jedermann zu prüfen.

Fragmentierung der Zeit

Ständige Unterbrechungen, sorgen dafür, dass Du Deinen Fokus nicht mehr für eine lange Zeitspanne auf ein einzelnes Thema richtest (oder richten kannst). Dein Gehirn ist eine Art Muskel – und wie jeder Muskel, verkümmert er, wenn er nicht trainiert wird. Du verlernst nach einiger Zeit, wie das geht, sich lange zu konzentrieren. Stattdessen trainierst Du Dein Gehirn darauf, immer schneller von einem Fokuspunkt zum anderen zu springen. Damit es das kann, ist es ständig in einer Art Alarmbereitschaft und warte auf den nächsten Reiz. Du vergisst, wie Du in einen Flow kommst, den Zustand, in dem Du völlig in Deiner Tätigkeit versunken bist und nichts mehr von außen wahrnimmst. 

Unbewusste Reize

Manche Menschen, wie ich, reagieren sehr sensibel auf Geräusche. Ich bin nicht unbedingt neugierig. Aber wenn neben mir jemand telefoniert, kann ich nicht anders als zuzuhören, ob ich will oder nicht. Natürlich verstehe ich dann nur die eine Seite, muss mir die Gegenseite also auch noch selbst dazu reimen. Entsprechend mau sieht es in solchen Momenten mit meiner Konzentration auf sonstige Dinge aus. Manche Menschen sind sehr empfindlich, was Gerüche angeht, wieder andere verlieren ihren Fokus sofort, wenn sie unbequem sitzen oder ihr Blick auf Unordnung fällt. Noch bevor Dein Gehirn merkt, dass Du nicht mehr konzentriert bist – bist Du schon nicht mehr konzentriert. 

Das hilft Dir, wieder fokussiert zu arbeiten

So ausgelutscht diese Weisheit auch ist, sie stimmt: Der erste Schritt ist, Dein Problem zu erkennen. Was genau ist der Grund dafür, dass Du Dich nicht konzentrieren kannst? Was lenkt Dich ab? Sobald Du das für Dich herausgefunden hast, kannst Du daran arbeiten. 

Train your brain

Ich hatte es schon angesprochen: Das Gehirn ist ein Muskel. Liebe Sportwissenschaftler und Anatomie-Experten, verteufelt mich nicht. Es kein kein „klassischer“ Muskel, hat aber viele Funktionsweisen, die ihm ähnlich sind. Langer Rede kurzer Sinn: Du kannst Dein Gehirn darauf trainieren, nichts zu tun. Warum? Weil es wieder lernen muss, dass Du nicht stirbst, wenn Du nicht sofort Deinen Facebook-Feed checkst oder die neuesten Insta-Stories siehst. Du stirbst selbst dann nicht, wenn Du eine Weile schlicht überhaupt nichts tust. Einfachste Übung: Setze Dich irgendwo bequem hin und schaue Dich einfach nur um, zumindest ein paar Minuten lang. Auch dann, wenn Dein Handy klingelt oder neue Nachrichten kommen. 

Zeitfenster einrichten

Im Beitrag zu effizientem Arbeiten hatte ich schon darüber geschrieben, dass Du Tätigkeiten in Gruppen einteilen und Dir so Zeit sparen kannst. Das gilt auch für Social Media und E-Mails. In den wenigsten Fällen musst Du sofort wissen, was es Neues gibt – wenn es wirklich dringend ist, wirst Du ohnehin über einen anderen Kanal informiert werden. Es reicht also vollkommen aus, Instagram oder Dein Postfach nur zu festgelegten Zeiten zu checken. Nimm Dir eine halbe Stunde, die Du ausschließlich dafür aufwendest. Auch hier gilt: Konzentriere Dich auf diese eine Tätigkeit, mach’ nicht noch drei weitere Dinge gleichzeitig. Bist Du auf dem neuesten Stand, dann schließe Facebook, E-Mail und Co und lasse sie geschlossen. Bis zum nächsten Zeitfenster, falls Du tatsächlich mehrere an einem Tag brauchst.

Termine, Termine  

Wer sagt, dass Termine immer nur für Meetings verwendet werden dürfen? Wenn Du eine störungsfreie Zeit brauchst, dann blocke sie Dir in Deinem Kalender. Möglicherweise braucht das etwas Überzeugungsarbeit bei Kollegen und Chef. Wenn Du aber hinterher belegen kannst, dass Du in weniger Zeit bessere Ergebnisse bringst, springen vielleicht sogar noch mehr Leute auf den Zug auf. Kommuniziere klar, dass Du während Deiner Fokuszeit nicht erreichbar bist, davor und danach aber schon. Neben einem Eintrag im Kalender helfen auch Signale wie eine geschlossene Tür, notfalls mit dem Schild „Ich bin ab XX:XX Uhr wieder erreichbar“, oder das Tragen von Kopfhörern. Wer dann noch Telefon und E-Mails abschaltet, der sollte gut konzentriert arbeiten können.

Multitasking? Lieber nicht

Vermutlich hat es sich inzwischen schon herumgesprochen: Wer viele Dinge gleichzeitig tut, der tut keines davon richtig. Wir können zwar mehrere sehr anspruchslose Aufgaben parallel erledigen, aber sobald wir für eine Sache Konzentration benötigen, fallen alle anderen über Bord. Zudem musst Du Dich oft erst kurz in eine Tätigkeit einarbeiten, bis Du fokussiert bist. Je öfter Du also den Fokus verlierst, desto öfter musst Du danach erneut kurz die Einarbeitung starten. Kurz gefasst: Multitasking macht keinen Sinn. 

Smarte Arbeitszeiten wählen

Zugegeben, nicht jeder kann sich seine Arbeitszeiten aussuchen. Hast Du jedoch die Möglichkeit, dann versuche einmal, früher oder später als die Kollegen zu arbeiten. Bist Du alleine im Büro, kann zumindest schon mal niemand mehr mit der grandiosen Idee einer Kaffeepause um die Ecke kommen. Dafür und für all die großen und kleinen Meetings hast Du dann während des normalen Arbeitstages Zeit. Achtung: Das heißt natürlich nicht, dass Du ab sofort täglich eine Stunde mehr arbeiten sollst. Vielleicht kannst Du stattdessen eine längere Mittagspause machen?

Unbewusste Reize ausschalten

Ich hatte es schon erwähnt: Gespräche in meiner Umgebung sind für mich ein Graus, wenn ich mich konzentrieren muss. Nun kann ich meine Ohren leider nicht abschalten. Aber ich kann ihnen anderes Futter geben, das sie beschäftigt. Für mich klappt es ganz gut, wenn ich mit Kopfhörern binaurale Beats, weißes Rauschen oder Naturgeräusche anhöre. Gerade so laut, dass ich die Umgebung nicht mehr wahrnehme, aber mich selbst noch beim Denken höre. In den ersten Minuten nerven mich die Sounds und Geräusche übrigens kolossal, aber danach schotten sie mich erstaunlich gut von der Außenwelt ab. Achte darauf, möglichst keine komplexen Lieder mit Text zu verwenden, sonst konzentrierst Du Dich am Ende doch wieder auf die Musik. 

Töne sind Dir egal, aber ein unbequemer Stuhl macht Dich wahnsinnig? Dann tausche ihn möglichst aus. Menschen, die sehr auf Berührung reagieren, können auch eine andere Tastatur oder Maus helfen. Dein Blick bleibt ständig an Gegenständen hängen? Dann möglichst weg damit und freie Sicht auf Deine Arbeit schaffen. Achtung: Manche Menschen brauchen gerade ein paar wenige Objekte, auf die sie immer mal wieder schauen können. Nicht immer ist also ein absolut aufgeräumter Schreibtisch das Maß aller Dinge.

Den letzten Gedanken aufschreiben 

Noch eine Sache, die mir selbst gut geholfen hat. Habe immer Papier und Stift in Deiner Nähe. Wirst Du in Deiner Arbeit unterbrochen, dann schreibe den letzten Gedanken auf, den Du hattest. Der läuft Dir nun nicht mehr weg und Du wirst nach der Unterbrechung wesentlich schneller wieder zurück in Dein Thema kommen. 

Probiere einfach einmal aus, welche der Tipps für Dich funktionieren! Ich bin gespannt, ob Du in Zukunft leichter Deinen Fokus findest. Lass’ mich gerne wissen, ob Du etwas für Dich aus dem Artikel mitnehmen konntest, Anregungen oder Wünsche hast. Ich freue mich auf Dein Feedback!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.