Sachen gebacken bekommen! Warum Du Dinge aufschiebst und was dagegen hilft

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Dies ist Teil drei einer kleinen Reihe zum Zeitmanagement. Hier geht es zu Teil eins (Zeitmanagement allgemein), zu Teil zwei (Prioritäten setzen) sowie zu Teil vier (fokussiert arbeiten).

„Kommste heut’ nicht, kommste morgen.“ Kennste? Jemand müsste mal langsam die Steuererklärung erledigen und dabei auch gleich die Ablage sortieren, die inzwischen zu einem kleinen Mount Müll herangewachsen ist. Jemand müsste außerdem den Termin zur nächsten Vorsorge beim Zahnarzt abmachen, mehr Sport machen und sich öfter bei Freunden melden. 

Stattdessen vertrödeln wir Zeit auf Instagram und Facebook, sind gerade zu müde für alles oder stellen plötzlich fest, dass die Sockenschublade umgehend sortiert werden muss. Wer es sich nun leicht machen möchte, verbucht das Ganze unter dem Begriff Faulheit. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied, der Faulenzerei von Prokrastination oder Aufschieberitis abgrenzt. 

Was ist Prokrastination (nicht)?

Seinen Ursprung hat der Begriff Prokrastination im Lateinischen mit „pro“ (für) und „crastinum“ (morgen). Wer prokrastiniert, der spart Tätigkeiten für morgen auf, verschiebt und verzögert sie. Allerdings macht eben dieses Aufsparen das eigentliche Problem aus. Die Person weiß ganz genau, dass eine Sache zu erledigen wäre – tut jedoch etwas anderes und fühlt sich deshalb schlecht. 

Faulheit dagegen bedeutet, dass Du Dich ganz bewusst entscheidest, eine Aufgabe NICHT zu erledigen. Ohne schlechtes Gewissen. Selbst dann, wenn andere meinen, dass diese Angelegenheit dringend ist. Du bist sozusagen „aktiv passiv“. Im Gegensatz dazu ist derjenige, der Dinge aufschiebt, ständig damit beschäftigt, sich mit anderen Tätigkeiten abzulenken. Beliebtes Beispiel: Menschen, die statt der Steuererklärung oder der nächsten Hausarbeit plötzlich liebend gerne den Hausputz erledigen. Und das, obwohl sie es mit dem Staubwischen und feudeln sonst nicht so genau nehmen.

Warum schieben wir Dinge auf?

Leider gibt es nicht „die eine“ Ursache für Prokrastination. Grob zusammengefasst, lassen sich aber drei Bereiche nennen:

Abneigung gegen die Aufgabe

Nicht jeder ist der geborene Schriftsteller oder ein Meister der Zahlen. Fällt eine Aufgabe nun genau in einen Bereich, der Dir nicht liegt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit der Aufschieberitis. Wir erledigen lieber Angelegenheiten, die uns leicht fallen und Spaß machen. Langweilige und monotone Tätigkeiten sorgen ebenfalls nicht unbedingt für einen Motivationsschub. 

Die Aussicht auf Erfolg

Bekommst Du einen Auftrag, der Dich persönlich oder beruflich ein gutes Stück weiterbringen wird, dann steigt oft automatisch der Reiz, sich direkt voll reinzuhängen. Anders sieht es aus, wenn Du von vornherein davon ausgehst, Dich mit einer Tätigkeit zu übernehmen und kein gutes Ergebnis bringen zu können. Perfektionisten sind hier besonders gefährdet. Sie finden immer das sprichwörtliche Haar in der Suppe und schieben im schlimmsten Fall eine Sache lieber auf, als sie mit Fehlern, die meist gar keine sind, abzuliefern.  

Selbstkontrolle

Wer gerade an einer Sache arbeitet, die ihm wirklich liegt, der lässt sich meist nicht so einfach ablenken. Ganz anders, wenn die Aufgabe keinen Spaß macht, anstrengend und kompliziert ist. Da wird schnell eine Alternative gesucht, die leichter ist. Wahrscheinlich kannst Du Dich (genauso wie ich) noch gut an Tage erinnern, wo Du für eine Schulaufgabe lernen solltest und stattdessen aus dem Fenster gestarrt hast. Selbstkontrolle würde in dem Fall bedeuten, dass Du die Willenskraft aufbringst, trotzdem zu lernen – obwohl der Blick aus dem Fenster in der Situation wesentlich angenehmer ist. 

Was Du gegen Prokrastination tun kannst

So unterschiedlich wie die Ursachen der Aufschieberitis sind auch die möglichen Lösungen. Oft helfen ein neuer Blickwinkel und kleine Schritte. 

Aufgaben herunterbrechen

„Ich muss einen Bericht über das vergangene Geschäftsjahr schreiben“ klingt furchterregend? Dann teile diesen großen Auftrag in kleinere Stücke ein, die sich leichter erledigen lassen. Es geht um das vergangene Geschäftsjahr. Das besteht aus einzelnen Monaten, die Du separat bearbeitest. Was genau ist das Thema? Es lässt sich sicher ebenfalls in kleinere Einheiten zerlegen. Geht es um die Umsätze? Den Zuwachs an Mitarbeitern? Je kleiner die einzelnen Puzzleteile, desto leichter lassen sie sich umreißen. Fange dann mit einem einzelnen Teil an und gehe Schritt für Schritt weiter. Fokussiere Dich immer nur auf das aktuelle Puzzleteil – nach und nach wird sich daraus die große Aufgabe zusammensetzen.

Druck herausnehmen

Wie viele von den Aufgaben, die Du hast, musst Du tatsächlich erledigen? Wann ist dieses Muss? Setze Dir bewusst Prioritäten. Dazu gehört auch, irgendwann die Kröte zu schlucken, also eine besonders unliebsame Sache zu erledigen. Vielen Menschen hilft es, diese eine Tätigkeit direkt als Erstes anzugehen. Sobald sie zu Ende gebracht ist, sieht der Rest des Tages schon gleich viel besser aus. Oder setze Dir gezielt ein Limit. Arbeite nur für zehn Minuten an einer Aufgabe, die Dir nicht liegt. Sobald Du den ersten Schritt gemacht hast, werden die nächsten Dir leichter fallen.

Fokus setzen

Wir hatten noch nie so viele Möglichkeiten zur Ablenkung wie heute. Facebook, E-Mails, Großraumbüros, das klingelnde Telefon … Schaffe Dir eine Arbeitsumgebung, in der Du Dich konzentrieren kannst. Dazu gehört unter Umständen auch, die Kollegen um eine Stunde ohne Störung zu bitten, das Handy lautlos zu schalten oder an einem anderen Ort zu arbeiten. Verabschiede Dich außerdem vom Multitasking. Es verursacht Stress und macht Dich nicht schneller – es fühlt sich nur so an, da Du ständig zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten wechselst. 

Wie bei allen neuen Verhaltensweisen gilt auch hier: Übung macht den Meister. Erwarte nicht, von heute auf morgen der Prokrastination den Garaus zu machen. Mit kleinen, dafür regelmäßigen Schritten in die Richtung kommst Du langfristig dennoch ans Ziel.

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