Alles das Gleiche? Wissensarten im Überblick

Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen. (Konfuzius)

Frage ich dich, was Wissen ist, was würdest du antworten? Sicherlich hast du sofort eine Idee im Kopf. Jeder weiß doch, was Wissen ist. Das bekommt man in der Schule und von den Eltern. Es wird benotet und wer was weiß, der kann Millionär im Fernsehen werden.

Ganz so einfach ist es leider nicht. Wissen tritt in unterschiedlichen Formen auf, die alle ihre eigenen Besonderheiten und Eigenschaften haben. Du benötigst eine bestimmte Art von Fähigkeiten, um zu laufen – angeboren ist es uns Menschen offensichtlich nicht. Du benötigst mathematische Kenntnisse, um eine Rechenaufgabe zu lösen. Baust du einen Schrank auf, dann brauchst du Wissen (und oftmals starke Nerven), um die Bilder der Anleitung mit den Einzelteilen des Schranks in Einklang zu bringen.

Du siehst schon, das sind alles verschiedene Formen von Kenntnissen oder Fähigkeiten, aber irgendwie unterscheiden sie sich doch voneinander. Darum lass’ uns in den folgenden Abschnitten ein wenig Licht ins Dunkel bringen und die verschiedenen Wissensarten kennenlernen!

Schon Aristoteles unterschied das Wissen aus Erfahrungen vom theoretischen, das du schlicht durch Denken erlangst. Eine andere Möglichkeit der Einteilung sind „Können-, Kennen- und Wollen-Wissen“. Was du kannst, lernst du durch Handlungen und Abläufe in der Praxis. Das Kennen-Wissen ist die Theorie. Das Wollen-Wissen schließlich beschreibt Strategien, mit denen du deine Ziele erreichst.

Du erkennst schon jetzt, dass bei der Einteilung von Wissen viele Wege nach Rom führen. Wenn wir bei der Unterscheidung von Theorie und Praxis bleiben, so nennt es sich auch deklaratives beziehungsweise prozedurales Wissen. Wer den deklarativen Bereich beherrscht, der hat gute Kenntnisse in der Theorie. Er kennt das „was“, die harten Fakten. Der Praktiker dagegen ist im prozeduralen Bereich zu Hause. Er kennt das „wie“, die Abläufe, auch Handlungswissen genannt.

Kommen wir auf das Beispiel der Bauanleitung für unseren Schrank zurück, deckt der deklarative Bereich beispielsweise die (immer falsche!) Anzahl der Schrauben ab. Die Pfeile in der Anleitung dagegen zeigen die „Prozedur“, die Handlungen, um den Schrank aufzubauen.

Wir können das Beispiel sogar noch weiter spinnen. Angenommen, du folgst der Bauanleitung für den Schrank. Dann hast du im Hinterkopf hoffentlich das Ziel, irgendwann vor einem fertigen Schrank zu stehen. Du wendest also all deine Fähigkeiten und Kennisse auf, um die Bretter, Dübel und Schrauben sinnvoll zusammen zu setzen. Du verfolgst eine Strategie und packst nicht einfach wild die unterschiedlichen Teile zusammen. Schon sind wir beim strategischen Wissen.

Bleiben wir schließlich bei der einen Schraube, die immer übrig bleibt. Wenn du sie dir vorstellst, hast du sicherlich gerade ein Bild im Kopf. Wahrscheinlich von einem Metallteil mit einem Kopf und einem Gewinde. Der Kopf ähnelt deinem eigenen aber nicht und du weißt auch, dass ein Gewinde keine große Menge von Regenwürmern ist. Du hast ein Konzept davon, was eine Schraube ist. Glückwunsch, damit hast du automatisch auch konzeptuelles Wissen.

Unser Schrank-Beispiel kann noch mehr. Denn die Anleitung hat niemand speziell für dich alleine geschrieben. Jeder erhält sie gemeinsam mit den Einzelteilen des Schranks. Was du auf den Bildern findest, nennt sich explizites Wissen. Wir sind wieder bei den harten Fakten. Es gibt festgelegte Codes, etwa immer das gleiche Symbol für die gleiche Schraube. Diese Kenntnisse können einfach weitergegeben, aufgeschrieben oder in Regeln gefasst werden.

Um den Schrank aufzubauen, benötigst du aber auch implizites Wissen. Es liegt vor, wenn jemand „den Bogen raus hat“. Möglicherweise kannst du gar nicht beschreiben, was genau du tun musst, um den Schraubenzieher festzuhalten. Du kannst es einfach. Genau das macht es auch so schwierig, diese Art von Fähigkeiten weiter zu geben. Sie sind an einen Träger gebunden. Während du möglicherweise meisterhaft mit dem Schraubenzieher umgehst und sogar genau erklären kannst, wie es funktioniert, hat dein Nachbar zwei linke Hände und wird es nie lernen. In dem Fall verliert er zwar vielleicht im impliziten Bereich, kann aber immer noch beim expliziten punkten. Wer weiß, vielleicht kennt er sämtliche Schraubenzieher-Hersteller und ihren bestverkauften Schraubenzieher auswendig?

Die Einteilungen, die ich dir vorgestellt habe, sind nicht abschließend. Es gibt noch andere Möglichkeiten zur Unterscheidung. Trotzdem kannst du jetzt verschiedene Wissensarten erkennen und auseinander halten. Wozu das Ganze? In weiteren Beiträgen sehen wir uns die unterschiedlichen Arten genauer an, lernen ihre Eigenschaften kennen und wo es Probleme geben kann. Ich zeige dir, dass Wissen eine wertvolle Ressource ist, die du im privaten und beruflichen Bereich nutzbar machen solltest.

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